Im neuen Semester gibt es erneut eine Übung im Modul Mediävistik. Im letzten Semester ging es um das Vorzeigewerk der mittelalterlichen deutschen Literatur: Das Nibelungenlied. In diesem Semester ist der Haupttext “Tristan” von Gottfried von Straßburg.
Das Nibelungenlied war schon wirklich streckenweise sehr anstrengend zu lesen. Seitenweise Beschreibungen der blutigen Schlacht am Ende des Buches lassen den Leser miterleben, wie Volker, der Spielmann, tausende von Hunnen mit seiner Geige erschlägt. Sehr realistisch.
Aber das ist gar nichts gegen Tristan. Offensichtlich hat der gute Gottfried hin und wieder gewisse poetische Ergüsse, in denen er sich über die Eigenarten und Schmerzen der Liebe auslässt. Und das über mehrere Dutzend Seiten lang.
Noch faszinierender aber sind die Charaktere. Tristan und Isolde, falls ihr die Geschichte nicht kennen solltet, lieben sich, müssen ihre Liebe aber geheimhalten, weil Isolde mit König Marke, Tristans Onkel, verheiratet ist. So betrügen die zwei munter über Jahre hinweg Marke, der große Stücke auf beide hält. Aber obwohl er ein Dutzend mal immer zwingendere Beweise für ihren Betrug findet, lässt er sich jedes Mal wieder davon überzeugen, dass sie unschuldig sind. Tristan und Isolde denken sich immer abgedrehtere Tricks aus, um sich unschuldig zu präsentieren.
Am Ende bekommen sie dann aber doch noch ihre Rechnung. Beide sterben, weil Tristan eine andere Frau (die nebenbei auch Isolde heißt) kennenlernt und diese auch nicht unbegabt im intrigieren ist. Und der gute Marke, der mittlerweile genau weiß was abging, vergibt ihnen nach Ihrem Tode noch alles, weil er erfährt dass sie sich nur durch einen magischen Liebestrank verliebten. Hach, was wär so ein Liebestrank doch eine praktische Ausrede für alle untreuen Gestalten heutzutage. 




















